Was ist Linkshändigkeit?
Linkshändigkeit ist das äußere Zeichen für die Führungsrolle der rechten Gehirnhälfte bei Bewegungen. Sie ist angeboren und ändert sich durch Umerziehung nur scheinbar. Die Internetseite Quarks&Co veröffentlicht eine wissenschaftliche Studie zum Thema Händigkeit. So sehen die Gehirnaktivitätsmuster beim Schreiben aus: a Rechtshänder, b Linkshänder und c umgeschulter Linkshänder.
Entscheidend für die Beurteilung der Händigkeit ist nicht so sehr die höhere Leistungfähigkeit der dominanten Hand als vielmehr ihre Funktion als "Chefhand", die der anderen Hand die Rolle der "Mitarbeiterhand" zuweist. Diese Sichtweise ist wichtig, um beispielsweise die Notwendigkeit seitenverkehrter
Musikinstrumente für LinkshänderInnen zu verstehen. Händigkeit begünstigt die Automatisation von motorischen Handlungen und steigert somit die Effizienz der entsprechenden Gehirnleistungen. BeidhänderInnen sind statistisch weniger erfolgreich!
Der Großteil aller gesunden Kinder bevorzugt schon im Alter von 2 Jahren deutlich eine Hand. Kinder, die noch im Alter von 4 Jahren bei ein und derselben Tätigkeit ständig die Hand wechseln, sollten vom Kinderarzt untersucht werden, weil unklare Händigkeit ein Indiz für Funktionsstörungen des Gehirns sein kann.
Wie Händigkeit entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht restlos geklärt. Versuche an Mäusen haben gezeigt, dass wohl die Disposition zur Ausprägung einer motorisch dominanten Seite vererbt wird, nicht jedoch die dominante Seite selber. Unabhängig von der Pfötigkeit ihrer Eltern sind 50% der Mäuse rechtspfötig, 50% linkspfötig. Mäuse mit ausgeprägter Pfötigkeit bringen ebensolche Junge zur Welt, Mäuse mit wenig ausgeprägter Pfötigkeit Ihresgleichen. Was den Menschen betrifft, so existieren zweierlei Erklärungsmodelle für das überwiegende Auftreten von Rechtshändigkeit. Genetische Modelle gehen aus von der Existenz eines rechtsverschiebenden Gens. Menschen ohne dieses Gen wären zu 50% Rechts- und zu 50% LinkshänderInnen. Wer das Gen nur von einem Elternteil erbt, wird zu 75% RechtshänderIn, wer es von beiden Eltern erbt, zu annähernd 100%. Dieses Modell kann nicht ausreichend erklären, warum bei eineiigen Zwillingen normalerweise einer Rechts- und einer LinkshänderIn ist. Umweltmodelle gehen von soziokultureller Vererbung aus, weil der Anteil manifester LinkshänderInnen an der Gesamtbevölkerung abhängig ist von der Toleranz einer Gesellschaft: 15% aller Kanadier, aber weniger als 5% der Orientalen bezeichnen sich selber als LinkshänderInnen.
Mit Sicherheit gibt es viel mehr LinkshänderInnen als allgemein angenommen. Dr. Peter Böhm geht aus von unterschiedlichen Ausprägungsgraden von Händigkeit, sodass viele LinkshänderInnen sich schon als kleine Kinder über die Erziehung bewusst oder unbewusst an die rechtshändige Zivilisation anpassen. Auch heute noch werden kleine Kinder gedankenlos dazu aufgefordert, zur Begrüßung die "schöne" Hand zu reichen, sie müssen mit dem Löffel in der rechten Hand essen lernen und verbrennen sich an Wasserhähnen die Finger, weil sie spontan das linke Ventil öffnen. Frau Dr. Inken Spreda veröffentlicht auf ihrer Deutschen Internetseite eine launige Glosse über die vielen ergonomischen Hürden, die LinkshänderInnen schon vom Aufstehen am Morgen bis zum Erreichen ihres Arbeitsplatzes zu überwinden haben!
LinkshänderInnen, die mit der rechten Hand schreiben lernen mussten, leiden oft unter charakteristischen neurologischen und psychischen Schwierigkeiten.
Ebenso wie Männer und Frauen zwei unterschiedliche Seiten des Menschseins repräsentieren, so tun dies auch RechtshänderInnen und LinkshänderInnen. Bei Unterschieden bezüglich Begabungs- und Persönlichkeitsstrukturen handelt es sich natürlich nur um statistisch relevante Nuancen, die für das Individuum kaum Bedeutung besitzen! Tatsächlich aber findet man unter Teilnehmern an Mathematikolympiaden, Architekten und ChorsängerInnen mehr LinkshänderInnen als in der Normalbevölkerung. Umgekehrt erfassen RechtshänderInnen schneller die Gestalt abstrakter Zeichen. Dr. Peter Böhm spricht in seiner Dissertation über die Folgen von Umschulung anstatt von Rechts- und Linkshändigkeit von rechtshändiger bzw. linkshändiger Begabung.
LinkshänderInnen standen traditionell ebenso auf der Verliererseite wie Frauen oder Schwarze.
Vorurteile. Erst seit etwa 40 Jahren ist allgemein bekannt, dass Linkshändigkeit nicht Ausdruck eines schlechten Charakters, sondern eine ganz normale Variante des Gehirndominanzmusters ist, und dass die Umschulung auf die rechte Hand schadet. Sind LinkshänderInnen damit bereits gleichberechtigt? Sie sind es ebenso sehr und ebenso wenig, wie die Frauen es waren, sobald man ihre Rechte in der Verfassung verankert hatte. Mit solchen geschichtlichen Marksteinen fängt die Aufarbeitung der Diskriminierung immer erst an! Von einem unbefangenen Umgang mit dem Thema sind wir noch weit entfernt! Die LinkshänderInnen - Initiative weist mit ihren Vereinsaktivitäten immer wieder auf die Problematik hin
Vereinstätigkeit ! Dagegen, dass 30% der Menschheit oder gar mehr linkshändig und daher nichts Besonderes sein könnten, dagegen wehrt sich offenbar die kollektive Seele. Da verlöre die Linkshändigkeit plötzlich ihren Nimbus! Der mysteriöse, sich mühelos tarnende, zwischen Genie und Wahnsinn oszillierende Linkshänder scheint ein fester Archetyp im kollektiven Unbewussten zu sein, ein seelisches Organ, ohne das unsere Gesellschaft bislang nicht auszukommen scheint. Wir werden der kollektiven Seele unserer so nüchternen Gesellschaft demnach erst einen brauchbaren Ersatz bieten müssen, ehe wir ihr klar machen können, dass LinkshänderInnen keine Ausnahmemenschen sind, sondern dass sie immer schon Familienmitglieder, Schulkameraden und Nachbarn waren. Das aber wird mindestens so lang dauern wie eine durchgängige Demokratisierung, die Überwindung des Rassismus oder die Abschaffung des Zwangszölibats. Vorerst dürfen wir LinkshänderInnen es noch genießen, wenn man uns als potentielle Genies beäugt. Das ist zwar kaum mehr als bloße Projektion anderer auf uns, aber das, was da projiziert wird, das ist als Sehnsucht der Menschen eine Realität, die wir ernst nehmen sollten. Wir sind zwar nichts Besonderes, aber wir repräsentieren etwas Besonderes: die Fähigkeit und die Bereitschaft von Menschen, voraussetzungslos und unvoreingenommen zu denken und nur aus der eigenen Quelle heraus zu handeln. Wenn es uns gelingt, uns vor allem auf die Seite der Sehnsucht danach zu stellen, dann wird sich das Problem der umgeschulten LinkshänderInnen irgendwann von selber lösen!
Dr. Johanna Barbara Sattler beschließt ihr Buch über die Psyche des linkshändigen Kindes mit der visionären Metapher vom linksfüßigen und vom rechtsfüßigen Soldaten , welche gemeinsam den geraden Weg durch die Wüste finden, während einer allein dort hoffnungslos im Kreis geht. Wer weiß, ob nicht LinkshänderInnen die Gesellschaft aus so manchen Teufelskreisen befreien könnten, wenn sie sich ihrer Mission einmal bewusst würden!
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